Wölfe in Hessen

Immer wieder Wolfsnachweise in den letzten Jahren in Hessen

Europäischer Grauwolf - Bild: Tammo Zelle
Europäischer Grauwolf - Bild: Tammo Zelle

Vor über 150 Jahren, im Jahre 1841 wurde im heutigen Lahn-Dill-Kreis der letzte Wolf auf hessischem Boden erlegt. In Hessen gab es sehr lange Zeit keine freilebenden Wölfe mehr, bis im Jahre 2006 ein einzelner Wolf im Reinhardswald auftauchte. Es handelte sich dabei um einen jungen Rüden aus der polnisch-ostdeutschen Population. Die   Bevölkerung freute sich über die Rückkehr dieses scheuen Wildtieres so sehr, dass sie ihm den Namen Reinhard gab.  Der Wolf kam um zu bleiben. Die nächsten fünf Jahre verbrachte er ohne großes Aufsehen zu erregen im nordhessischen Reinhardswald bis er im April 2011 durch Waldarbeiter des Forstamtes Reinhardshagen östlich der Sababurg verendet aufgefunden wurde. Die Universität Gießen bestätigte eine natürliche Todesursache.

 

Bereits im Januar desselben Jahres wurde ein Wolf auf der Autobahn A45 in der Nähe von Gießen angefahren. Am Unfallfahrzeug befindliche Haare konnten im Senckenberg Institut Gelnhausen genetisch untersucht und einer Population aus dem südlichen Alpenraum zugeordnet werden. Auch das Schicksal dieses Wolfes war in den Medien sehr stark präsent und die Bevölkerung brachte ihm viel Sympathie entgegen was zu seinem Spitznamen „Pierre-Luigi“ führte.   Das am rechten Hinterlauf verletzte Tier wurde in den darauffolgenden Tagen mehrfach im Raum Gießen und Langgöns gesehen bis es verschwand.

 

Im April 2012 wurde „Pierre Luigi“ von Spaziergängern tot bei Hachenburg (Rheinland-Pfalz) aufgefunden. Er konnte sich trotz seines, wie später festgestellt, gebrochenes Beines sehr gut alleine ernähren bis ihn das tödliche Geschoss aus einem Gewehrlauf traf. Viele Menschen waren über diese Tat empört und es wurde eine Prämie in Höhe von 1000 Euro auf Hinweise, die zum Täter führten, ausgesetzt. Schon eine Woche nach „Pierre-Luigis“ Tod stellte sich ein 71 jähriger Jäger als Schütze den Behörden. In seinen Aussagen gab er an, den Wolf mit einem wildernden Schäferhund verwechselt zu haben.

 

Die nächsten Wölfe auf hessischem Boden hatten ebenfalls wenig Glück. Im März 2015 wurde eine Wölfin aus der „mitteleuropäischen Tieflandpopulation“, deren Vorkommen in Deutschland und Westpolen sind, auf der Autobahn A66 bei Bad Soden-Salmünster überfahren aufgefunden.

 

Wenige Wochen später, im April 2015 kam ein Wolfsrüde im Straßenverkehr auf der Autobahn A661 im Frankfurter Stadtgebiet ums Leben. Dieser Wolf stammte aus einem Rudel im östlichen Niedersachsen. Anfang März 2016 tappte der nächste Wolf nahe dem Ortsteil Wellerode der Gemeinde Söhrewald im Landkreis Kassel in eine Fotofalle.

Wolf im März 2016 in einer Fotofalle bei Söhrewald - Foto: Universität Göttingen
Wolf im März 2016 in einer Fotofalle bei Söhrewald - Foto: Universität Göttingen

Im Mai des gleichen Jahres fand ein Radfahrer einen vermutlich überfahrenen Wolf an einer Landstraße bei Marburg. Später konnte aufgrund von genetischen Tests festgestellt werden, dass dieser Wolfsrüde aus dem ostdeutschen Raum nach Hessen gewandert ist. Eine sichere Zuordnung zu dem Wolf in der Fotofalle vom März konnte allerdings nicht erfolgen, da es von dem Tier in Nordhessen kein genetisches Material gab.

Im Jahr 2017 kam es hessenweit bislang zu 3 durch Fotos nachgewiesene Wölfe.

Die erste Sichtung des Jahres gelang  am 27.4.2017 Autofahrern im Kreis Waldeck-Frankenberg. Einem der Fahrzeugführer in der Gemeinde Twistetal gelangen Aufnahmen eines Caniden mit seiner Handykamera, welche vom Deutschen Beratungszentrum für den Wolf (DBBW) später eindeutig als Wolfsnachweise gewertet wurden.

Circa einen Monat später, am 31.5.2017 konnte ein Spaziergänger bei Biebertal ein weiteres Tier ablichten. Die Experten des Büro Lupus konnten  bestätigten, dass es sich bei dem fotografierten Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Viele Medien und die Hessenschau berrichteten über diese Meldung.

Den dritten hessischen Wolfsschnappschuss des Jahres gelang einem Naturfotografen am Sonntag, den 3.9. im Odenwald bei Wald-Michelbach. Auch hier konnte das auf dem Foto abgebildete Tier  vom Beratungszentrum für den Wolf (DBBW) eindeutig als  Canis lupus lupus identifiziert werden.